01.08.2017 15:23

UBA beklagt gesunkenen Schutz

Category: Bauszene

Gesundheitsrisiken durch Bauprodukte werden durch mangelhafte EU-Regelung nicht mehr erkannt.

Das Umweltbundesamt (UBA) warnt vor möglichen Gesundheitsrisiken bei der Nutzung von Gebäuden durch nicht ausreichende europäische Standards. Hintergrund ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), das es den Mitgliedstaaten künftig nicht mehr erlaubt, an Bauprodukte strengere nationale Anforderungen zum Schutz der Gesundheit zu stellen. Maria Krautzberger, Präsidentin des UBA: „Ob Parkett im Wohnzimmer oder Teppich im Kindergarten: Die EU darf bei Bauprodukten keine Abstriche bei der Gesundheit und beim Umweltschutz machen. Es muss auch weiterhin erkennbar bleiben, ob Bauprodukte der Gesundheit schaden oder nicht.“ Die gesunde Luft in Häusern und Wohnungen ist eines der Themen im Jahresbericht „Schwerpunkte 2017“ des UBA.

Keine VOC-Tests für Bodenbeläge mehr

Bis zum Herbst 2016 verlangte das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) für innenraumluftrelevante Bauprodukte anspruchsvolle Tests. Diese kamen bislang vor allem bei Bodenbelägen und deren Zubehör zur Anwendung. Das vergebene nationale „Ü“-Zeichen (Ü für Übereinstimmung) stellte unter anderem strenge Anforderungen an flüchtige organische Verbindungen (VOC). Diese können etwa in Fußbodenbelägen, Lacken oder Dichtstoffen enthalten sein. In zu hohen Konzentrationen sind sie gesundheitsschädlich und können unter anderem Kopfschmerzen oder Schwindel auslösen. Das deutsche „Ü“-Zeichen ist nach dem Urteil des EuGH nicht mehr erlaubt. Die EU-Kommission hat zwar einen Vorschlag für eine Ergänzung der EU-weiten und einheitlichen CE-Kennzeichnung von Bauprodukten um gesundheitliche Aspekte vorgelegt. Dieser Vorschlag lässt jedoch Emissionen von VOC aus Lösemitteln und anderen chemischen Hilfsstoffen zu, ohne dies zu kennzeichnen. „Die hohen deutschen Standards sind in Gefahr. Da wir uns über 80 Prozent der Zeit in Innenräumen aufhalten, sehen wir das sehr kritisch. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen erkennen und nachprüfen können, ob Bauprodukte in Wohnung, Kindergarten und Büro gesundheitlich unbedenklich sind“, so Krautzberger. „Dafür brauchen wir eine eindeutige Kennzeichnung.“ So könnte es analog zu Brandschutzklassen ein Klassensystem für VOC geben.

UBA empfiehlt, auf Label zu achten

Die EU-Kommission ihrerseits will den Umwelt- und Gesundheitsschutz durch entsprechende Merkmale in die CE-Kennzeichnung integrieren. Das kann aber lange dauern, das UBA rechnet mit einem Verfahren von mindestens fünf bis zehn Jahren Dauer. Um das Risiko durch Schadstoffe zu minimieren, will die EU-Kommission deshalb bis Ende 2017 eine einfache Produktklassifikation einführen. In Anlehnung an ein A-B-C-System sollen etwa gering emittierende Baumaterialien mit A und Produkte für den Nichtwohnbereich mit C bewertet werden. Aber das ist natürlich nur eine grobe Einteilung. Derweil arbeiten die Bundesbehörden an einer Verwaltungsvorschrift, die als Bestandteil der Landesbauordnungen hohe Standards im Umwelt- und Gesundheitsschutz festschreiben soll. Der Entwurf für eine Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV-TB) wurde unlängst veröffentlicht und muss jetzt noch mit den europäischen Behörden abgestimmt werden.Hierzu haben sich allerdings bereits auch zahlreiche Verbände kritisch geäußert, vor allem, weil nicht klar ist, wer das Risiko trägt, schädliche Materialien zu verwenden. Aber auch um die Standards selbst dreht sich die Debatte, da die strengen Regeln künftig für alle Innenraum-relevanten Produkte gelten sollen.

Deshalb rät das UBA ökologisch orientierten Menschen, die jetzt bauen oder renovieren wollen, sich an Prüfsiegeln wie dem Blauen Engel des Umweltbundesamts oder dem natureplus-Qualitätszeichen zu orientieren. Solche Siegel fallen nicht in den Geltungsbereich des EU-Rechts und kennzeichnen Bauprodukte, die strengen Anforderungen im Gesundheits- und Umweltschutz entsprechen.


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