17.11.2017 16:51

Klimafreundliche Baustoffe

Category: Bauszene

Eine neue Publikation belegt, dass eine Verringerung der Herstellungsenergie im Neubau wichtiger wäre als weitere Verbrauchsreduktionen

Eigentlich ging es in der neu aufgelegten Broschüre der FNR um "Strohgedämmte Gebäude", doch auch in Bezug auf andere Bauten liefern die hier enthaltenen Berechnungen interessante Zahlen: Bei einem Vergleich des Primärenergiebedarfs und des Treibhauspotentials von konventionellen Einfamilienhäusern und ökologisch gedämmten Holzhäusern offenbaren sich gravierende Unterschiede. So beträgt der Primärenergiebedarf des Holzhauses für Bau und Unterhaltung (Reparaturen, Renovierung) über 50 Jahre nur 56 % des entsprechenden Energiebedarfs eines konventionell gebauten Hauses. Und der Heizenergiebedarf inklusive der nötigen Reparaturen und Erneuerungen an der Heizanlage beträgt ebenfalls in 50 Jahren nur die Hälfte dessen, was das konventionelle Gebäude allein für den Bau benötigt.

Klimafreundliche Baustoffe bringen mehr Effekt

Daraus folgt nach Meinung der unabhängigen Umweltorganisation natureplus, dass zumindest im Neubaubereich eine weitere Senkung der Energieverbräuche nicht so viel Effekt bewirkt, wie eine Reduzierung der Herstellungsenergie, auch "graue Energie" genannt. "Die neue Bundesregierung muss sich zur Erreichung der Klimaziele endlich einmal mit den Baumaterialien befassen", fordert natureplus-Geschäftsführer Thomas Schmitz. "Hier sind durch die Verwendung klimafreundlicher Baustoffe noch große Potentiale zu heben." Zudem würden diese Baustoffe das Bauen auch nicht weiter verteuern.

13mal bessere CO2-Bilanz

Dabei ist die Menge der Herstellungsenergie nicht allein bestimmt durch die Wahl eines bestimmten Materials, sondern insbesondere auch durch eine effiziente Energienutzung in der Herstellung. Was klimafreundliche Baustoffe hinsichtlich der CO2-Bilanz bewirken können, zeigen übrigens Zahlen aus der gleichen Studie: Hier kann das Ökohaus in der Errichtungsphase sogar negative Werte präsentieren, weil im Holz und anderen Baustoffen aus nachwachsenden Rohstoffen CO2 gespeichert wird, anstatt es in die Luft zu blasen. Über Herstellungs- und Nutzungsphase hinweg trägt das konventionelle Gebäude allein durch seine Materialien fast 13 mal so viel zum Treibhauseffekt bei wie das alternative.

Rahmenbedingungen der Studie

Beide verglichenen Einfamilienhäuser sind gleich groß, haben die gleiche Haustechnik und weisen die gleichen U-Werte auf, brauchen in der Nutzungsphase also gleich viel Wärmeenergie. Sie unterscheiden sich nur in der Bauweise: Während die Außenwände des konventionellen Hauses aus 2-schaligem Mauerwerk aus Kalksandstein mit Vormauerziegeln und Mineralfaserdämmung bestehen, sind sie beim Holzhaus aus Bohlenständerwerk mit Zellulosedämmung und einem WDVS auf Basis von Holzfaser-Dämmplatten aufgebaut. Die Sohle des Hauses besteht in der konventionellen Variante aus einer Stahlbetonsohle mit EPS-Dämmung, Estrich und Fliesen, während das Holzhaus auf den Stahlbeton einen zellulosegedämmtem Holzboden aufbaut. Die Innenwände bestehen einmal aus Kalksandstein mit Gipsputz und einmal aus Holzständern mit Zellulosedämmung und Gipsplatten, die Decken sind einmal aus Stahlbeton und einmal aus Holzbalken und die Fenster sind einmal aus PVC und einmal aus Holz. Nur im Dach sind die Unterschiede nicht so groß, hier wird im konventionellen Bau mit Mineralfaser gedämmt und beim Holzbau mit Zellulose, ansonsten ist alles gleich.

Die Untersuchung ist der Broschüre "Strohgedämmte Gebäude" der FNR entnommen, sie ist unter der Bestellnummer 526 bei der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe zu bestellen (siehe Internet-Link). Die strohgedämmten Gebäude wiesen übrigens noch günstigere Werte auf, als die hier vorgestellten klassischen Holzhäuser.


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