Klimaneutrale Ziegel?

Neue EPDs bescheinigen Ziegelindustrie Fortschritte in Richtung Klimaneutralität, doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg

Symbolbild Ziegelofen © Ziegelwerk Blomesche Wildnis

Der Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie sieht die ökologische Qualität von ungefüllten und gefüllten Mauerziegeln im Vergleich zum Jahr 2015 deutlich verbessert und beruft sich dabei auf aktuelle Umweltproduktdeklarationen (EPDs) des Instituts für Bauen und Umwelt (IBU). Danach konnten nach Aussage des Verbandes die Treibhausgasemissionen in der Herstellungsphase um rund 20% reduziert und der Anteil an Sekundärrohstoffen in der Produktion im Durchschnitt auf ca. 25% erhöht werden. „Die erfreulichen Ergebnisse zeigen, dass wir auf dem in unserer Roadmap aufgezeigten Weg zur Klimaneutralität gut vorankommen und wichtige Etappenziele erreicht haben“, resümiert Dr. Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des BDZ. Über die Roadmap haben wir an anderer Stelle bereits berichtet.

Dass die CO₂-Emissionen in der Produktion um ca. ein Fünftel gesenkt werden konnten, liegt nach diesen Informationen an erheblichen Effizienzsteigerungen im Produktionsprozess und dem steigenden Anteil erneuerbarer Energien. So wird die Energie für den Ziegeltrockner z.B. zum größten Teil aus der Abwärme des Tunnelofens und über Wärmetauscher gewonnen. Durch einen Umstieg auf erneuerbare Energieträger, die Entkopplung des Ofen-Trockner-Verbundes sowie die Elektrifizierung des weiteren Herstellungsprozesses mit grünem Strom soll die Ziegelproduktion bis 2045 komplett klimaneutral erfolgen.

Stolz ist die Industrie auch auf eine Recyclingquote von 94%, die in den genannten EPDs durch entsprechende Gutschriften berücksichtigt wurde. So werden bei der Herstellung Schnittreste und aussortierte Materialteile wieder in den Produktionsprozess integriert. Nach Abriss der Gebäude lässt sich sortenreiner Ziegelbruch wieder in die Wertschöpfungskette zurückführen, etwa für Tennismehl oder Substrat für die Dachbegrünung. Das geschieht allerdings nur in seltenen Fällen direkt beim Ziegelhersteller, sondern wird von Recyclingunternehmen übernommen und mündet auch häufig nur in minderwertigen Granulaten für den Straßenbau. Lediglich ein Hersteller aus Bayern hat es bisher geschafft, aus aufbereitetem Ziegelbruch wieder neue Ziegel zu fabrizieren.

Aus Sicht von natureplus ist der Fortschritt der Ziegelindustrie beim Klimaschutz zu begrüßen und bestätigt sich auch in der Tendenz anhand der Zahlen zum CO₂-Fußabdruck, die im Rahmen der natureplus-Prüfungen erhoben werden. Allerdings ist der Weg zum klimaneutralen Ziegel noch sehr weit und nicht allein durch bessere Effizienz zu schaffen. So ist ein Gutteil der Einsparungen auch darauf zurückzuführen, dass die Mauerziegel durch Porosierung immer leichter werden und damit beim Brennen auch weniger Energie benötigen.

Newsletter abonnieren

The 4th annual ASBP Awards have returned for 2021-22 with entries welcomed across three categories including exemplary sustainable building projects,...

Weiterlesen

Am 18. und 19. November 2021 veranstaltet das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) gemeinsam mit dem Bundesministerium des Innern,...

Weiterlesen

Am 17.09.21 trat die neu einberufene Kommission erstmals in einem Kick-Off Workshop zusammen, um sich zu Kommunikationsstrategien und zum...

Weiterlesen

Acht Nominierungen für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur - darunter ein Recyclinghaus, Neubauten in Holzbauweise sowie verschiedene...

Weiterlesen

 

ADVERTISMENT