Gegen Ausbeutung und Umweltzerstörung

Die 1. NaLiBau Akteurskonferenz brachte Fachleute aus der Zivilgesellschaft, Umweltaktivisten und staatliche Institutionen zusammen, die gemeinsam mehr Nachhaltigkeit durch Transparenz in die Lieferkette Bau bringen wollen. Im Zentrum standen diesmal bestehende Label für eine nachhaltige Rohstoffgewinnung und -verarbeitung.

Am 23.05.2022 fand die erste Akteurskonferenz im "Zukunft Bau" Förderprojekt "Nachhaltigkeit durch Transparenz in der Lieferkette Bau", kurz NaLiBau-Projekt, statt. Das Forschungsprojekt NaLiBau wird durch das Bundesamt für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) gefördert und zielt darauf ab, Standards der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit in unterschiedlichen Produktkategorien über die Bau-Lieferkette hinweg zu entwickeln. Mögliche Risikomaterialien sollen identifiziert und, unter aktiver Einbeziehung der auf diesem Feld tätigen Akteure und ihrer Erfahrungen, Anforderungen an die verantwortungsbewusste Ressourcengewinnung im Bauwesen definiert werden. Es sollen praxisgerechte Instrumente erarbeitet werden, mit denen sich diese Anforderungen über die ganze Lieferkette nachweisen lassen. An der Veranstaltung nahmen etwa 20 Experten aus Umweltorganisationen, Zertifizierungsprogrammen, Wirtschaft und staatlichen Stellen teil. Im Zentrum dieser 1. Akteurskonferenz stand die Vorstellung bestehender Label und Zertifizierungssysteme für Transparenz in der Lieferkette und ihrer Erfahrungen.

Unterstützung aus der Politik

Nach der Begrüßung durch den Projektleiter Dr. Rolf Buschmann (Vorstandsvorsitzender des natureplus e.V.) legte Anne Bauer (BBSR) nochmals die Motivationslage der dem Bauministerium zugeordneten Fachbehörde dar: "Wir wollen klimaneutral werden, die Ressourcen schonen und zugleich bezahlbaren neuen Wohnraum schaffen." Zu dieser großen Aufgabe müsse heute auch die Bauforschung beitragen. In der politischen Keynote von Dr. Franziska Brantner (Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft & Klima) ging es um ebendiese große Herausforderung insbesondere für die Bauwirtschaft, die in Deutschland direkt und indirekt für 40 Prozent der Treibhausgase und für über die Hälfte des Abfallaufkommens verantwortlich ist. Staatssekretärin Brantner, die im BMWK auch für das Lieferkettengesetz zuständig zeichnet, bekräftigte den Willen des Ministeriums, die Transformation im Bausektor auch künftig mit Fördermitteln zu unterstützen.

Lieferketten-Labels berichten

Anschließend wurden in zwei Impulsvorträgen die Arbeitsweisen von Chain-of-Custody-Zertifizierungssystemen erläutert, also von Labels, die über die ganze Lieferkette hinweg die Einhaltung von Nachhaltigkeits-Anforderungen nachweisen. Im Textilsektor stellte Juliane Ziegler das GOTS-Label für organische Textilien "vom Feld bis zum Shop" vor. Hier werden in den angeschlossenen über 12.000 Betrieben in 79 Ländern alle Schritte der Verarbeitung, der Herstellung und des Handels von zertifizierten Bio-Textilien mit anspruchsvollen Umwelt- und Nachhaltigkeitskriterien abgedeckt. Näher an der Bauwirtschaft war der Impulsvortrag von Dieter Büttenbender, Vorstand des Fair Stone e.V., der eine Zertifizierung der Lieferkette für Natursteine unter sozialen Kriterien vornimmt und dafür vor allem in asiatischen Ländern vor Ort Beratungen und Schulungen durchführt. Außergewöhnlich war hier der Ansatz, dass nur die Vertragspartner (Importeure) in Europa die Möglichkeit haben, mit dem fair-stone-Label zu werben.

World Café

Nach einer Kaffeepause wurden dann in Gruppenarbeit im World-Café-Format verschiedene Fragen bearbeitet, die sich bezüglich der Arbeitsweise bestehender Lieferketten-Zertifizierungssysteme aufdrängen. Alle Teilnehmer, darunter auch weitere Repräsentanten Baustoff-relevanter Systeme wie FSC für Holz und CSC für Zement, hatten dabei Gelegenheit, im Wechsel jeweils eine Viertelstunde ihren Input an den Thementischen einzubringen. Der erste Tisch, moderiert von Juliane Ziegler (GOTS), beschäftigte sich mit den Methoden zur Überprüfung der Kriterieneinhaltung. Der zweite Tisch, moderiert von Felix Konrad (natureplus INSTITUTE SCE), formulierte Anforderungen an Transparenz-Tools speziell im Bereich der Bauindustrie. Der dritte Tisch, moderiert von Nora Siebels (Greengineers GmbH), suchte nach Möglichkeiten der Übertragbarkeit bestehender Instrumente.

Zusammenfassung

In der Zusammenfassung der Ergebnisse wurde deutlich, dass vor allem in einer Zusammenarbeit der bestehenden Akteure unterschiedlicher Branchen, in der intensiveren Nutzung digitaler Informationssysteme und in der strengen unabhängigen Kontrolle als Garant der Glaubwürdigkeit die Zukunft gesehen wird. Viele Akteure zeigten großes Interesse, nach dieser Auftaktveranstaltung auch weiter mit natureplus am NaLiBau-Projekt mitzuwirken. Auch die Erfahrung des Austausches so vieler engagierter Initiativen zu dem Thema wurde von den Teilnehmern geschätzt.

Ausblick

Die weiteren Akteurskonferenzen im Überblick:

  • Montag, 11. Juli 2022 14 Uhr, 2. AkteurInnenkonferenz zum Thema "Lieferkettengesetze" - die Anmeldung ist hier bereits über den unten genannten Link möglich
  • Montag, 10. Oktober 2022 14 Uhr, 3. AkteurInnenkonferenz zum Thema "Industrie & CSR-Berichte"
  • Montag, 07. November 2022 14 Uhr, 4. AkteurInnenkonferenz zum Thema "Datenbanken"

 

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