
Mauern einer Vorsatzschale aus Hanfkalksteinen als Innendämmung. Bild: Natural Building Lab
Hanfkalk: Eigenschaften und Anwendungen
Hanfkalk rückt zunehmend in den Fokus nachhaltiger Bauweisen und gewinnt sowohl im Neubau als auch in der Sanierung an Bedeutung. Der ökologische Bioverbundwerkstoff überzeugt durch seine vielseitigen Einsatzmöglichkeiten, und seine bauphysikalischen Vorteile und zeigt damit, welches Potenzial in natürlichen, ressourcenschonenden Materialien steckt.
Die Hanfpflanze gilt als widerstandsfähige und schnell wachsende Kulturpflanze mit geringen Standortansprüchen. Aufgrund ihrer natürlichen Resistenz gegen Schädlings- und Pilzbefall kann vollständig auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verzichtet werden, sodass der Rohstoff schadstofffrei bleibt. Neben klassischen Hanfdämmstoffen haben sich in den letzten Jahren zunehmend Hanfkalk-Baustoffe etabliert, die im Englischen häufig als“hempcrete” bezeichnet werden und für eine Vielzahl von Anwendungen genutzt werden können. Hanfkalk ist ein ökologischer Bioverbundwerkstoff, der aus den verholzten Hanfschäben und einem kalkbasierten Bindemittel besteht. Für die Herstellung werden die Hanfschäben zunächst von der Rinde befreit, entstaubt und getrocknet, bevor sie mit Kalk (z. B. Luftkalk, hydraulischem Kalk oderKalkhydrat) und Wasser gemischt werden. Das daraus entstehende Gemisch kann entweder vorgefertigt zu Hanf-Kalk-Mauersteinen oder zu Platten gepresst werden, alternativ wird es als lose Mischung eingestampft.
Ein wichtiger Vorteil von Hanfkalk ist seine Fähigkeit, CO₂ zu binden: Während des Hanfwachstums wird Kohlenstoff gebunden, was zu einer sehr guten Ökobilanz des Baustoffes führt. Außerdem ist der Baustoff vollständig recycelbar bzw. rückbaubar, häufig auch kompostierbar oder als Baustoffrest wiederverwendbar. Hanfkalkreste und Verschnitte, die bei der Verarbeitung entstehen, können beispielsweise einfach gesammelt und als Schüttung wiederverwendet werden. So entsteht kaum Abfall auf der Baustelle, was den Baustoff zudem besonders kreislauffähig macht. Für eine dauerhaft hohe Materialqualität ist jedoch eine trockene Lagerung entscheidend, deshalb sollten Hanfkalkbaustoffe während des Transports und der Lagerung stets vor Feuchtigkeit geschützt werden.
Bauphysikalische Besonderheiten
Hanfkalk ist diffusionsoffen und kapillaraktiv und reguliert die Feuchtigkeit zuverlässig. Dadurch trägt der Baustoff zur Feuchteregulierung bei und kann Kondensatbildung sowie Schimmelbildung mindern, da überschüssige Luftfeuchte temporär „gepuffert“ wird. Der Dämmwert bleibt auch bei feuchteren Bedingungen relativ stabil, also besteht eine gewisse Resistenz gegen die Abschwächung der Dämmleistung durch Feuchtigkeit. Hanfkalk besitzt eine hohe Wärmespeicherkapazität, die insbesondere in den Sommermonaten hitzepuffernd wirkt und den sommerlichen Wärmeschutz verbessert. Zudem gilt Hanfkalk aufgrund seines hohen Kalkanteils als schwer entflammbar. Aufgrund der offenen, porösenStruktur und der Masse (je nach Wanddicke) erreicht Hanfkalk außerdem gute Schalldämmwerte.
Anwendungen und Einsatzbereiche
Hanfkalk kann in vielfältiger Weise eingesetzt werden, sowohl im Neubau als auch in der Sanierung. Aus vorgefertigten Hanfkalksteinen lassen sich homogene Wandkonstruktionen errichten, die durch ihre gute Dämmwirkung oft ohne zusätzliche Dämmschichten auskommen, allerdings übernehmen sie keine tragende Funktion. Das Material kann direkt verputzt oder hinterlüftet verkleidet werden. Es eignet sich zudem für den Einsatz in Außen- und Innenwandkonstruktionen, etwa bei Trennwänden, Ausfachungen oder Gefachfüllungen, insbesondere im Fachwerk- und Holzrahmenbau.
Die Materialstruktur von Hanfkalk ermöglicht einen kontinuierlichen Feuchtetransport. In Kombination mit der Alkalität des Kalks werden Kondensations- und Schimmelrisiken wirksam reduziert, sodass schadensfreie Wandaufbauten entstehen und Hanfkalk besonders auch bei der Sanierung historischer Gebäude geeignet ist. Auch für die Innendämmung im Bestand ist Hanfkalk gut geeignet.


