Fischgrätparkett. Bild: Canva

Nachhaltige Baustoffe

Nachhaltige Fußbodenlösungen

Wir stehen, gehen, sitzen, liegen und leben auf ihnen: Fußböden prägen Räume in Wirkung, Komfort und Raumklima und beeinflussen zugleich die ökologische Bilanz eines Bauprojekts sowie das Wohlbefinden der Nutzer*innen.

April 1, 2026

Sie strukturieren Räume, unterstützen Nutzungskonzepte und prägen über Materialität, Farbe und Haptik wesentlich die architektonische Gestaltung. Gleichzeitig rückt ihre Rolle im nachhaltigen Bauen stärker in den Fokus, insbesondere im Hinblick auf Lebenszyklusaspekte, Materialwahl, Emissionen (z.B. VOC), Reinigung und Pflege sowie die Möglichkeit eines sortenreinen Rückbaus.

Für die ökologische Bewertung eines Bodenbelags sind sowohl die Materialwahl als auch seine tatsächliche Nutzungsdauer entscheidend. Diese wird wesentlich durch Pflegeaufwand, Reinigungsintensität, Reparaturfähigkeit und gestalterische Akzeptanz bestimmt. Auch technisch langlebige Materialien werden häufig vorzeitig ersetzt, etwa infolge sich wandelnder Nutzungsanforderungen oder gestalterischer Präferenzen. Die Austauschrate ist damit ein zentraler, oft unterschätzter Faktor.

Bodenbeläge lassen sich nach unterschiedlichen Kriterien einteilen, etwa nach Anwendungsbereichen (Wohnen, Gewerbe, Industrie), nach Rohstoffherkunft, chemischer Zusammensetzung oder Oberflächenbeschaffenheit. Darüber hinaus werden sie häufig in produktbezogene Gruppen gegliedert, insbesondere elastische, textile, mineralische und holzbasierte Beläge.

Produktgruppen von Bodenbelägen. Quelle: Wecobis

Historisch waren Bodenlösungen eng an verfügbare Materialien und handwerkliche Techniken gebunden: Holzdielen, Lehm, Naturstein sowie keramische Beläge dominierten je nach Nutzung und Bauaufgabe. Diese Materialien zeichneten sich durch Langlebigkeit, Reparaturfähigkeit und häufig generationenübergreifende Nutzbarkeit aus. Mit der Industrialisierung und dem steigenden Bedarf an standardisierten, kosteneffizienten Lösungen erweiterte sich das Spektrum um industriell gefertigte, häufig synthetische Beläge wie PVC, Laminat oder synthetische Teppichböden, meist in mehrschichtigen, verklebten Systemaufbauten.

Heute ist belegt, dass Fußböden wesentlich zur Innenraumluftqualität beitragen. Emissionen aus Materialien, Klebstoffen und Oberflächenbehandlungen sowie nutzungsbedingter Abrieb können die Wohngesundheit beeinflussen, insbesondere in Kombination mit Fußbodenheizungen. Gleichzeitig erschweren verklebte und komplexe Schichtaufbauten den sortenreinen Rückbau und die Kreislaufführung. Vor diesem Hintergrund rücken nachhaltige Alternativen in den Fokus. Entscheidend ist dabei nicht nur der Belag selbst, sondern der gesamte Aufbau, von der Verlegeart über die Trennbarkeit der Schichten bis hin zur Oberflächenbehandlung.

Welche Möglichkeiten sich daraus ergeben, zeigt ein Blick auf ausgewählte nachhaltige Bodenbeläge und ihre jeweiligen Eigenschaften.

Holzböden

Holzdielenboden. Bild: Canva

Holzböden zählen zu den etablierten Bodenlösungen und umfassen eine Vielzahl unterschiedlicher Konstruktionen und Formate. Grundsätzlich lassen sich Dielenböden und Parkett unterscheiden. Holzdielen bestehen aus durchgehenden Brettern aus Laub- oder Nadelholz und werden mechanisch befestigt, etwa durch Nageln oder Schrauben. Sie stellen eine vergleichsweise einfache, zugleich jedoch materialintensive Bauweise dar.

Parkett besteht aus kleineren Holzelementen und wird in unterschiedlichen Aufbauten ausgeführt. Dabei wird zwischen Massiv-(Einschicht-) und Mehrschichtparkett unterschieden. Einschichtparkett besteht vollständig aus Vollholz und umfasst unter anderem Stabparkett, Mosaikparkett und Hochkantlamellenparkett. Verwendet werden überwiegend Laubhölzer wie Eiche, Buche, Ahorn oder Esche.

Mehrschichtparkett setzt sich aus einer Nutzschicht aus Vollholz sowie darunterliegenden Träger- und Gegenzugschichten zusammen, die entweder aus Massivholz, meist Nadelholz wie Fichte, Kiefer oder Lärche, oder aus Holzwerkstoffen bestehen. Bei Trägerschichten aus Holzwerkstoffen wie Sperrholz, MDF oder Spanplatten ist zu berücksichtigen, dass Formaldehyd in die Raumluft emittiert werden kann. Je nach Aufbau kommen Zwei- oder Dreischichtsysteme zum Einsatz, deren Schichten in der Regel mit kunstharzbasierten Klebstoffen verbunden werden.

Die Dicke der Nutzschicht bestimmt die Möglichkeiten der Überarbeitung durch Abschleifen. Während Massivparkett aufgrund seiner durchgehenden Materialstärke mehrfach überarbeitet werden kann, ist dies bei Mehrschichtparkett durch die begrenzte Dicke der Nutzschicht eingeschränkt. Diese beträgt mindestens 2,5 mm, bei Dreischicht-Elementen in der Regel 3 bis 4mm und bei Zweischicht-Stäben etwa 4 bis 5 mm. Die tatsächliche Nutzungsdauer hängt jedoch nicht allein von der Konstruktion ab, sondern auch von Nutzung, Pflege und der Bereitschaft zur Instandsetzung.

Sowohl bei der Oberflächenbehandlung als auch bei der Verklebung sollten möglichst schadstoff- und emissionsarme Produkte eingesetzt werden. Dies betrifft gleichermaßen Lacke wie Öle und Wachse. Die Wahl der Oberfläche beeinflusst dabei nicht nur Emissionen, sondern auch Pflegeaufwand, Alterungsverhalten und Reparaturfähigkeit: Geölte oder gewachste Oberflächen lassen sich in der Regel einfacher partiell instand setzen, während lackierte Oberflächen oft einen höheren Schutz bieten, jedoch bei Beschädigungen aufwendiger zu sanieren sind.

Mehrschichtige Parkettelemente werden häufig werkseitig oberflächenbehandelt geliefert und als Fertigparkett eingesetzt, wodurch mögliche VOC-Emissionen bereits am auslieferfertigen Produkt geprüft werden können.

Für die ökologische Bewertung sind neben der Materialzusammensetzung insbesondere die eingesetzten Klebstoffe, Holzwerkstoffe und Oberflächenbehandlungen relevant. Ebenso entscheidend sind Verlegeart und konstruktiver Aufbau, da sie die Rückbaubarkeit und Kreislauffähigkeit des Bodenaufbaus maßgeblich beeinflussen. Auch die Herkunft des Holzes ist von Bedeutung, insbesondere im Hinblick auf nachhaltige Waldbewirtschaftung und transparente Lieferketten. Orientierung bieten Umweltzeichen, die Anforderungen an eine nachhaltige Holzherkunft definieren.

Lehmböden

Stampflehmboden geschliffen und gewachst. Ausführung: Earthman. Bild: Luis Casanova Sorolla

Lehmböden zählen zu den mineralischen Bodenlösungen und werden in unterschiedlichen Ausführungen eingesetzt. Sie bestehen aus erdfeucht aufbereiteten Lehmmischungen und kommen entweder als Stampflehmböden oder als Lehmschüttungen innerhalb von Holzunterkonstruktionen zur Anwendung.

Lehmschüttungen werden als lose oder leicht verdichtete Füllungen zwischen tragenden Holzbauteilen eingebracht und bilden keine fertige Bodenoberfläche. Der weitere Aufbau erfolgt über die Holzunterkonstruktion. Diese Bauweise wird insbesondere in Holzbalkendecken eingesetzt und dient dazu, zusätzliche Masse in den Bodenaufbau einzubringen.

Stampflehmböden werden auf einen tragfähigen und schubfesten Untergrund aufgebracht und mechanisch verdichtet. Als Untergründe kommen beispielsweise Betonplatten, Holzkonstruktionen oder ausreichend verdichtete Erdschichten in Betracht. Die Schichtdicke der verdichteten Lehmlage beträgt in der Regel etwa 8 bis 12 cm. Während des Trocknungsprozesses entstehende Risse werden mit Lehmschlämme geschlossen. Anschließend wird die Oberfläche mechanisch bearbeitet, meist durch Schleifen, und abschließend mit Wachs- oder Ölemulsionen behandelt, um die Widerstandsfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit zu erhöhen. Der konstruktive Aufbau kann je nach Anforderungen variieren. Stampflehmböden lassen sich mit Trittschalldämmungen, zusätzlichen Dämmschichten oder Flächenheizsystemen kombinieren. Aufgrund ihrer hohen Wärmespeicherkapazität können sie Wärme aufnehmen und zeitversetzt wieder abgeben und so zur thermischen Behaglichkeit beitragen. Darüber hinaus verfügt Lehm über ein ausgeprägtes Sorptionsvermögen und kann zur Stabilisierung und Regulierung des Raumklimas beitragen. Die Wirksamkeit dieser feuchteregulierenden Eigenschaft wird jedoch maßgeblich durch die gewählte Oberflächenbehandlung beeinflusst. In Bezug auf Nutzung und Instandhaltung sind Lehmböden ausreichend belastbar und zugleich gut reparaturfähig. Lokale Beschädigungen können durch Nachbearbeitung der Oberfläche oder durch Ergänzung von Material instandgesetzt werden. Die Oberfläche ist mineralisch und leicht strukturiert und wird häufig gezielt als gestalterisches Element eingesetzt. Stampflehmböden lassen sich zudem fugenlos über größere Flächen ausführen. Geschliffene Stampflehmböden können optisch an Terrazzoestriche erinnern, wobei sich diese Wirkung durch die Auswahl und Zusammensetzung der Zuschläge zusätzlich beeinflussen lässt.

Lehmböden bestehen aus natürlichen mineralischen Rohstoffen und werden in der Regel ohne chemisch abbindende Bindemittel hergestellt. Das Material bleibt dadurch wasserlöslich und kann am Ende der Nutzungsphase rückgebaut, aufbereitet und erneut verwendet oder dem natürlichen Stoffkreislauf zugeführt werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, lokal anfallendes Aushubmaterial als Ausgangsstoff zu nutzen.

Linoleum

Linoleumböden zählen zu den elastischen Bodenbelägen und bestehen aus einer Deckschicht auf Basis überwiegend nachwachsender Rohstoffe, die auf ein Trägermaterial, in der Regel ein Jutegewebe, aufgebracht wird. Je nach Produktaufbau können zusätzliche Schichten wie Korkunterlagen, Schaumrücken oder Faserplatten integriert sein. Die Deckmasse setzt sich im Wesentlichen aus Leinöl, Naturharzen sowie Holz- oder Korkmehl und mineralischen Füllstoffen zusammen. Durch die oxidative Reaktion des Leinöls entsteht eine elastische und belastbare Materialstruktur.

Linoleum weist eine gute Beständigkeit gegenüber mechanischer Beanspruchung sowie gegenüber vielen im Alltag vorkommenden Stoffen wie Fetten, Ölen und schwachen Säuren auf. Empfindlichkeiten bestehen gegenüber stark alkalischen Medien sowie in geringerem Maße gegenüber Feuchtigkeit. Zudem zeigt das Material kein relevantes elektrostatisches Aufladeverhalten. ZurVerbesserung der Gebrauchseigenschaften werden Linoleumbeläge in der Regel werkseitig oberflächenbehandelt. Dabei kommen häufig wasserbasierte oder UV-vernetzende Beschichtungssysteme zum Einsatz, die die Widerstandsfähigkeit erhöhen und den Pflegeaufwand reduzieren. Alternativ kann die Erstbehandlung nach der Verlegung erfolgen. Die gewählte Oberflächenbehandlung beeinflusst neben Emissionen insbesondere Reinigungsaufwand, Gebrauchseigenschaften und Alterungsverhalten des Belags. Sowohl bei Beschichtungen als auch bei der Verklebung ist auf emissionsarme Produkte zu achten. Aus ökologischer Sicht ist der hohe Anteil nachwachsender Rohstoffe hervorzuheben. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass Linoleum üblicherweise vollflächig verklebt wird, was den Rückbau und die sortenreine Trennung erschwert und damit die Kreislauffähigkeit einschränkt. Die tatsächliche Nutzungsdauer wird daher nicht nur durch die Materialqualität, sondern auch durch Verlegeart, Pflege und Instandhaltung bestimmt. Zu Beginn der Nutzung kann ein materialspezifischer Geruch auftreten, der auf Reaktionsprodukte des Leinöls zurückzuführen ist und im weiteren Verlauf abklingt.

Textile Bodenbeläge aus Naturfasern

Textiler Bodenbelag aus Sisal. Bild: Canva

Textile Bodenbeläge aus Naturfasern bestehen aus einer Nutzschicht aus pflanzlichen oder tierischen Fasern. Verwendet werden unter anderem Schurwolle, Sisal, Kokos und Jute sowie in geringerem Umfang auch Seegras, Baumwolle, Seide oder Ziegenhaar. Die Fasern werden zu Garnen verarbeitet und anschließend zu Geweben oder Tuftingbelägen weiterverarbeitet. Die Nutzschicht ist in der Regel in ein Trägergewebe, meist aus Jute oder Baumwolle, eingebunden und wird häufig durch eine Rückenschicht, beispielsweise auf Basis von Naturlatex, ergänzt. Je nach Produkt können zusätzliche Materialien oder Ausrüstungen eingesetzt werden, um spezifische technische Eigenschaften zu erzielen.

Textile Beläge aus Naturfasern weisen gute wärme- und schalltechnische Eigenschaften auf und sind diffusionsoffen. Gleichzeitig können sie Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben und so zur Regulierung des Raumklimas beitragen. Die Eigenschaften hängen maßgeblich von der jeweiligen Faserart ab. So weist insbesondere Schafwolle die Fähigkeit auf, bestimmte gasförmige Stoffe aus der Raumluft aufzunehmen, darunter auch flüchtige organische Verbindungen (VOC), und diese in gewissem Umfang zu binden. Hinsichtlich der Nutzung zeigen Naturfaserbeläge unterschiedliche Widerstandsfähigkeiten. Während Materialien wie Sisal oder Kokos auch in stärker beanspruchten Bereichen eingesetzt werden können, eignen sich weichere Fasern wie Wolle vor allem für den Wohnbereich. Gleichzeitig sind textile Beläge empfindlich gegenüber anhaltender Feuchtigkeit und Verschmutzung und erfordern einen vergleichsweise hohen Reinigungs- und Pflegeaufwand. Dieser beeinflusst nicht nur die Gebrauchstauglichkeit, sondern auch die tatsächliche Nutzungsdauer und damit die ökologische Bewertung des Bodenbelags.

Zu beachten ist, dass auch bei als Naturfaser ausgewiesenen Belägen, insbesondere bei Wollteppichen, anteilig synthetische Fasern enthalten sein können. Zudem kommen teilweise Ausrüstungen wie Mottenschutzmittel zum Einsatz, die im Hinblick auf Umwelt- und Gesundheitsaspekte zu berücksichtigen sind.

Aus ökologischer Sicht basieren Naturfaserbeläge überwiegend auf nachwachsenden Rohstoffen, deren Gewinnung vergleichsweise energiearm erfolgen kann. Gleichzeitig sind Aspekte wie Wasserverbrauch, Transportwege und Anbaubedingungen zu berücksichtigen. Durch Zusatzstoffe, Rückenbeschichtungen und Verklebungen können Materialverbunde entstehen, die die Kreislauffähigkeit einschränken. Im Hinblick auf Emissionen ist neben dem Belag selbst auch die Auswahl geeigneter Verlege- und Hilfsstoffe entscheidend. Wann immer möglich, sollten emissionsarme Materialien verwendet und alternative Verlegeverfahren wie lose Verlegung, Verspannen, punktuelle Fixierungen oder modulare Systeme gegenüber vollflächigen Verklebungen bevorzugt werden, da sie Rückbau und Austausch einzelner Bereiche erleichtern.

Keramische Bodenbeläge

Keramische Bodenbeläge bestehen aus gebrannten mineralischen Rohstoffen wie Ton, Kaolin, Quarz und Feldspat und werden als Fliesen oder Platten im Innen- und Außenbereich eingesetzt. Je nach Zusammensetzung und Brennverfahren wird zwischen Steingut, Steinzeug, Feinsteinzeug, Cotto sowie grobkeramischen Produkten wie Klinker unterschieden. Ein wesentliches Unterscheidungskriterium ist die Wasseraufnahmefähigkeit, da sie Rückschlüsse auf Porosität und damit auf Dichte, Festigkeit und Frostbeständigkeit zulässt.

Während Steingut vorwiegend im Innenbereich eingesetzt wird, zeichnen sich Steinzeug und insbesondere Feinsteinzeug durch hohe Festigkeit, geringe Porosität und Frostbeständigkeit aus und eignen sich daher auch für stark beanspruchte Bereiche. Keramische Beläge sind langlebig, mechanisch belastbar und pflegeleicht. Die Oberflächeneigenschaften können durch Glasuren oder Behandlungen gezielt beeinflusst werden und wirken sich auf Reinigung, Rutschhemmung und Gebrauchseigenschaften aus. Für die Verlegung sind materialgerechte Klebe- und Fugensysteme erforderlich, wobei insbesondere bei dichten Belägen wie Feinsteinzeug spezielle Klebstoffe eingesetzt werden.

Die Rohstoffe werden überwiegend im Tagebau gewonnen, wodurch Flächen in Anspruch genommen werden. Nach dem Abbau erfolgt in der Regel eine Rekultivierung. Produktionsreste können teilweise wieder in den Herstellungsprozess zurückgeführt werden. Keramische Beläge können über Jahrzehnte genutzt werden. In der Praxis wird dieses Potenzial jedoch nicht immer ausgeschöpft. Gestalterische Trends und sich wandelnde Nutzungsanforderungen führen dazu, dass auch robuste und langlebige Beläge vorzeitig ersetzt werden. Damit rücken Fragen der gestalterischen Dauerhaftigkeit und der langfristigen Akzeptanz stärker in den Vordergrund. Dem gegenüber stehen ein vergleichsweise hoher Energieeinsatz im Herstellungsprozess sowie Transportaufwendungen aufgrund des Materialgewichts. Zudem erschweren verklebte Systeme den Rückbau und die sortenreine Trennung, auch wenn hierfür zunehmend alternative Lösungen entwickelt werden.

Neue materialbasierte Herstellungsansätze

Angesichts der hohen CO₂-Emissionen konventioneller keramischer Fliesen und der damit verbundenen energieintensiven Brennprozesse werden zunehmend alternative Bodenbeläge entwickelt, die mit deutlich geringerem Energieeinsatz hergestellt werden können. Dabei rücken neben neuen Herstellungsansätzen auch der Einsatz von Sekundärrohstoffen und mineralischen Reststoffen stärker in den Fokus.

Ein Teil dieser Entwicklungen orientiert sich an natürlichen Bildungsprozessen. Inspiriert von mineralischen Strukturen, wie sie beispielsweise bei Korallen vorkommen, werden Verfahren genutzt, bei denen Mikroorganismen die Bildung mineralischer Bindungen anstoßen. Dabei werden Kohlenstoff und Calcium zu stabilen Verbindungen umgesetzt, wodurch lose Partikel miteinander verbunden und zu einem steinähnlichen Material verfestigt werden.

Im Unterschied zu klassischen Verfahren erfolgt die Materialbildung ohne Brennvorgang und ohne den Einsatz konventioneller zementbasierter Bindemittel. Der Prozess findet unter Umgebungsbedingungen statt, wodurch sich der Energiebedarf deutlich reduziert. Die entstehenden Materialien erreichen ausreichende mechanische Eigenschaften für den Einsatz als Bodenbelag und lassen sich in bestehende Anwendungen integrieren.

Für die Architektur ergeben sich daraus neue Möglichkeiten, insbesondere im Hinblick auf alternative Herstellungsprozesse, den Einsatz von Recyclingmaterialien und eine potenziell verbesserte CO₂-Bilanz im Vergleich zu klassischen keramischen Belägen.

In einer ganzheitlichen Betrachtung über den Lebenszyklus hinweg weisen Bodenbeläge aus nachwachsenden und mineralischen Rohstoffen gegenüber chemisch-synthetischen Alternativen viele Vorteile im Hinblick auf Klimaschutz, Ressourcenschonung und Wohngesundheit auf. Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel von Material, Aufbau, Nutzung und Pflege.

Angesichts der großen Bandbreite an Bodenbelägen sind neben technischen Kriterien auch individuelle Anforderungen relevant: Wie fühlt sich ein Material an? Wie pflegeintensiv ist es? Wie verändert es sich im Gebrauch und wie werden diese Veränderungen wahrgenommen und akzeptiert? Gebrauchsspuren können dabei als Qualitätsverlust oder als Teil eines gewünschten Alterungsprozesses verstanden werden. Auch die gestalterische Dauerhaftigkeit trägt dazu bei, dass Beläge langfristig genutzt werden.

Orientierung bei der Auswahl nachhaltiger Fußbodenlösungen bieten das natureplus Umweltzeichen, das klare Kriterien für eine ganzheitliche Nachhaltigkeit definiert, sowie die natureplus Produktdatenbank, die eine gezielte Auswahl geeigneter Produkte ermöglichen.

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Autorin
Barbara Beetz
Wissenschaftliche Mitarbeiterin nachhaltiges Bauen
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