Wahlprüfsteine der planenden Berufe

18 Verbände der planenden Berufe fordern zur Bundestagswahl von den Parteien eine "Bau- und Ressourcenwende" sowie eine soziale und klimagerechte Stadtentwicklung.

Die Bundesarchitektenkammer (BAK) und die Bundesingenieurkammer haben gemeinsam mit 16 Verbänden der planenden Berufe, darunter auch der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), ihre Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl 2021 formuliert. Sie beinhalten aktuelle Kernfragen in der Architektur, Stadtplanung und Ingenieurbaukunst. Im Mittelpunkt stehen die Bereiche Stadtentwicklung, Klima und Umwelt, Freiberuflichkeit, Baukultur und Digitalisierung. 

"Die planenden Berufe sorgen dafür, dass die gebaute Umwelt dem gesellschaftlichen Wandel gerecht werden kann. Denn um die Klimaschutzziele zu erreichen, gleichwertige Lebensverhältnisse herzustellen und eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung zu gewährleisten, braucht es kreative, technisch ausgereifte und sozial verträgliche Konzepte in Architektur, Bauingenieurwesen und Stadtplanung", heißt es zur Begründung. Selbstbewusst sehen die Architekten und Bauingenieure sich als "Eckpfeiler der deutschen Wirtschaft": "Rund 700.000 Menschen arbeiteten 2018 in den deutschen Ingenieur- und Architekturbüros und sorgten so für eine Bruttowertschöpfung von rund 84 Milliarden Euro."

Wir stellen im Folgenden die für natureplus wichtigsten Forderungen vor, der ganze Text kann unten auf dieser Seite heruntergeladen werden:

1. Gesellschaftlichen Zusammenhalt durch soziale Bodenpolitik und bezahlbaren Wohnraum fördern

Wir brauchen weiterhin jährlich rund 400.000 – vor allem bezahlbare – Wohnungen in Deutschland. Mit einem Kataster der Potenziale könnten Möglichkeiten der Quartiersentwicklung, sinnvoller (Nach-)Verdichtung, Gebäudeaufstockung und der Umbau von Nichtwohngebäuden aufgezeigt werden. (...) Die gesellschaftlich zentrale Boden- und Baulandfrage (bezahlbares Wohnen, Mobilitätsmanagement, gleichwertige Lebensverhältnisse) steht oft im Konflikt mit rein privatwirtschaftlichen Interessen (Spekulation). Hier ist u. a. dringend eine Grundsteuerreform hin zu einer echten Bodenwertsteuer notwendig. (...)

2. Integrierte Entwicklungskonzepte in Städten und Regionen stärken

Die Neue Leipzig-Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt 2020 verfolgt das Ziel, die veränderten gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen und die Bemühungen bei Klimaschutz, Migration, Mobilität und Digitalisierung in gemischten und lebendigen europäischen Städten und Quartieren auf allen Ebenen zu fördern. (...)

3. Klimaschutz und Ressourcenschonung vorantreiben

Wir brauchen eine Bau- und Ressourcenwende in einer konsequenten Kreislaufwirtschaft. Bei Auswahl, Herstellung, Lieferwegen, Wiederverwendung und Entsorgung von Baumaterialien müssen wir ebenso wie bei der eingesetzten Technik vom aktuell überwiegend linearen Wirtschaften zu weitgehend geschlossenen Stoffkreisläufen und dem Erhalt der im Bestand gebundenen grauen Energie kommen. Mit einer neuen »Umbaukultur« können wir durch eine Privilegierung des Bauens im Bestand Ressourcen schonen und bestehende Potentiale der Baukultur und Nachhaltigkeit aktivieren. Bauwerke werden sich künftig nicht nur daran messen lassen müssen, wieviel Energie für Wärme, Kälte und Warmwasserbereitung aufgewendet wird, sondern welchen energetisch-ökologischen Fußabdruck Errichtung, Betrieb und Rückbau hinterlassen. Dieser könnte künftig als zusätzliche Ziel-, Planungs- und Nachweisgröße etabliert werden, da er zum Ausdruck bringt, inwieweit ein Bauwerk als klimaverträglich anzusehen ist. (...)

4. Städte klimaresilient entwickeln

(...) Anstelle von Hitzeinseln in Asphalt- und Betonwüsten müssen wir die Entsiegelungen vorantreiben und klimatisch günstige Stadtstrukturen entwickeln. (...)

12. Zuständigkeit für das Planen und Bauen innerhalb der Bundesregierung konzentrieren

Nur eine Konzentration der Zuständigkeiten wird dem volkswirtschaftlich relevanten Planungs- und Bausektor und seiner zunehmenden Bedeutung zur Erreichung der Klimaschutzziele gerecht. Ein Bundesministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung, Mobilität und Infrastruktur ist die richtige Antwort auf diese anspruchsvollen Aufgaben.

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